Gedenkbuch

 Es hat einen zentralen Platz im stationären Hospiz. Für jeden Menschen, der hier gepflegt wurde – ob bis zum Tod oder wieder nach Haus gegangen – wird eine Seite freigehalten. Meist sind es die Angehörigen, die diese Seite irgendwann gestalten und damit für sich die Zeit der Hospizbesuche auch innerlich abschließen.

Gedenkbuch

Einige Auszüge aus den vielen Gedenkbüchern seit 1998 mögen einen Eindruck vermitteln:

Erinnerung an E. T.

Danksagung

Ich möchte mich – vor allem auch im Namen meiner Mutter,
Frau. E.T. – für die fürsorgliche und liebevolle Betreuung im Hospiz des Franziskuszentrums in Friedrichshafen ganz herzlich bedanken.
Mit Achtung und großem Verständnis wurden alle großen und kleinen Schwierigkeiten aus dem Weg geräumt. Eine solch einfühlsame Haltung ist sicherlich nicht selbstverständlich und nicht überall anzutreffen und hat uns sehr geholfen.
Viele Schwestern und ehrenamtliche Helfer, denen kein Weg und keine Mühe zu viel waren, haben meine Mutter und auch mich aufgefangen. Das hat uns beiden sehr gut getan.
Meiner Mutter haben Sie noch viele schöne Stunden geschenkt, die sie von ihren Ängsten ablenkte, die ihr Leben auch in dieser schweren Zeit lebenswert machten, als sie die Sehnsucht und Neugier meiner Mutter auf die kleinen Dinge und Freuden des normalen Alltags lenkten. Das schaffte für meine Mutter Vertrauen und unterstützte ihr Selbstwertgefühl.
Mit viel Aufmerksamkeit und Bedacht wurden die täglichen Pflege- und Betreuungsrituale gemeistert. Es ist durch die familiäre Gemeinschaft und viel Humor gelungen, dem bösen Grübeln über die Krankheit und Tod durch ein Lachen Einhalt zu gebieten.
Deshalb ist es mir und meiner Mutter wichtig, DANKE zu sagen, für so ein großes Geschenk und Chance, Menschen mit so einer Hingabe und Verantwortung gegenüber dem Anderen kennen gelernt zu haben.

Diese Erfahrung nehmen wir beide gern mit.

Tochter
G.Z.

 

Erinnerung an E. B.

Frau E. B. erfuhr hier wunderbare Fürsorge und Pflege.

Trotz der schweren Krankheit haderte unsere Mutter nicht mit ihrem Schicksal. Den Tod vor Augen war sie keineswegs ängstlich, sondern gefasst, fast entspannt.
„S’isch gued!“ sagte sie an ihrem letzten Sonntag. Diese Gelassenheit war eine Frucht der Einfühlsamkeit und Achtsamkeit, die unsere Mutter hier im Hospiz von allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern erfuhr.

I.B. ,  R.B.

Erinnerung an Frau M. K.

Ich muss gestehen, kein gläubiger Mensch zu sein. Umso größer ist meine Dankbarkeit, dass es unser Schöpfer ermöglicht hat, dass meine Frau. M. ihre letzten Lebenswochen in Würde als Gast im Hospiz verbringen durfte.
Bei schönstem Spätsommer- und Frühherbstwetter waren wir mit Hund „Lotti“ und dem Rolli jeden Tag auf Achse. Wir waren Eis essen, Kaffeetrinken, Leutegucken und zum Abschluss gab es im Lammgarten noch ein Bier.
Ab und zu trafen wir Bekannte, oder es kam Besuch. Jedenfalls hatten wir trotz der Situation noch schöne Stunden miteinander verbringen dürfen.

Hiermit danke ich allen Engeln vom Hospiz und werde Euch und meine Frau nie vergessen.

R.K.

 

In Erinnerung an A.

Liebes Hospiz-Team,
es ist uns ein sehr großes Bedürfnis, Ihnen allen unseren aufrichtigen Dank auszusprechen.
Als wir erfahren haben, dass die Pflege von A. Zuhause nicht mehr möglich war und sie deshalb in ein Hospiz gebracht wurde, hatten wir furchtbare Angst.
A. und uns war bewusst, dass sie hier den Rest ihres Lebens verbringen wird.
Keiner von uns war vorher jemals in einem Hospiz und so hatte das Wort für uns nichts Gutes.

Hospiz – Endstation; ein Ort zum Sterben; ein Ort ohne Hoffnung; ein Wort, das man aus Unwissenheit mit Angst und Schrecken verbindet.
Schon bei unserem ersten Besuch bei Ihnen verlor das Wort Hospiz seinen Schrecken.
Wir haben erlebt, dass kranke Menschen hier nicht nur medizinisch versorgt und gepflegt werden, sondern dass hier Menschenwürde und Achtung vor den Menschen im Vordergrund steht.
Wie viel Halt, menschliche Zuwendung, Wärme, Zuneigung, Zuspruch und Respekt Menschen hier erfahren.
Wie liebevoll und fürsorglich kranke Menschen umsorgt werden und hier ein letztes, behütetes Zuhause haben.
Wer hier sein letztes Zuhause gefunden hat wird nicht „entmündigt“ sondern darf seinen Tag im Rahmen seiner gesundheitlichen Möglichkeiten selbst gestalten, das Haus verlassen, Besucher empfangen… – eben, wie Zuhause.

A. hat uns immer wieder gesagt wie froh sie darüber ist, hier bei Ihnen sein zu dürfen. Sie selbst war der Meinung, sie hätte keinen besseren Platz finden können.
Dank Ihnen war Ihr Hospiz für A. kein Ort des Schreckens, sondern ein letztes Zuhause in dem sie sich wohl, behütet, geborgen und getragen fühlte.
Die Verabschiedung von A. durch ihr Team wurde für uns und ihre Freunde zu einem ganz besonderen Erlebnis, das sich in unserem Gedächtnis fest als positives Erlebnis verankert hat.
Wir sind davon überzeugt, dass es für kranke Menschen ohne Aussicht auf Heilung keinen Ort außerhalb der eigenen Familie gibt, an dem sie besser betreut und aufgehoben sind als bei Ihnen.

Hospiz – ein Ort zum Fürchten? Sicherlich nicht! Für A. und uns war Ihr
Hospiz – ein letztes Zuhause, in dem Respekt und Menschenwürde keine leeren Worte sind, ein Ort der Wärme, Geborgenheit und Zuwendung.

Wir haben größten Respekt vor Ihnen und Ihrer Arbeit und danken von ganzem Herzen für die unvergessliche Zeit mit Ihnen.

Vergelt´s Gott!

I.H.
B. + A. L.

Erinnerung an I. M.

„Von guten Mächten wunderbar geborgen
erwarten wir getrost was kommen mag.
Gott ist mit uns am Abend und am Morgen
Und ganz gewiss an jedem neuen Tag“

Es war sehr schwer, das geliebte Zuhause, die vertraute Umgebung, die lieb gewordene Nachbarschaft zu verlassen in der Gewissheit der Endgültigkeit.
Aber genauso war es beglückend, im Hospiz so liebevoll willkommen geheißen zu werden.
Angekommen zu sein, loslassen zu können, begleitet zu werden, zu sich selbst zu finden; das empfand meine Schwester in den letzten 14 Tagen ihres Lebens, sie ruhte in sich selbst.
Auch für uns Angehörige war es eine Zeit der inneren Befreiung. Wir konnten unsere Sorgen, unsere Ängste, das immer Bereitsein müssen abgeben, und für all das möchte ich mich von ganzem Herzen bei Ihnen, liebes Hospiz-Team, bedanken.

Gottes reichen Segen für ihre weitere Arbeit!

Lieb‘ Schwesterherz, hab ich es recht gemacht?

W.S.

 

Sterbebegleitung und Trauerbegleitung